Startschuss zum Rock Dein Leben 2026
Los geht es für mich zum Rock Dein Leben 2026 wie immer mit einem Fußmarsch. Wer jedes Jahr ein Festival 6km vor der eigenen Haustür hingestellt bekommt, der nimmt die Strecke gern in Kauf.
Der Plan war ehrlich gesagt von vornherein dort anzukommen, nachdem die Musikkapelle Laichingen ihren Auftritt beendet hatte. Kaum biegt man auf das Gelände, gibt es Festival-Atmosphäre vom Feinsten. Überall dröhnt Musik aus den Zelten und Autos. Fremde Menschen winken sich grinsend zu. Einer beschließt, mir mit seiner Wasserpistole eine Abkühlung zu verschaffen, die ich bei diesen Temperaturen dankend annehme.
Trotz der Hitze geht eine leichte Brise und eine Wolkendecke verhindert, dass die Sonne zu arg knallt. Geniale Voraussetzungen für ein Festival.
Erster Höhepunkt ist das freundliche »Willkommen zu Hause« Schild seitens der Veranstalter. Passender hätte man es nicht ausdrücken können.
Brennstoff
Nun wird es Zeit für den ersten und für meinen Geschmack leider auch einzigen Höhepunkt des Tages. Die Saarländer Brennstoff heizen dem Rock Dein Leben 2026 mit ihrem knallharten Streetcore ordentlich ein. Bei einer Spielzeit von gerade einmal 45 Minuten bleibt nicht viel Zeit für Ansagen oder irgendwelche Spielereien mit dem Publikum. Das sehen Brennstoff glücklicherweise genauso. Daher wird auf sämtliches Brimborium verzichtet und ordentlich Vollgas gegeben. Der erste Moshpit des Festivals lässt nicht lange auf sich warten.
Cashless und Cover
Auch wenn mir Sacarium und vor allem Stahlzeit immer wieder von den anderen Festival-Gängern empfohlen werden: Ich mag keine Cover-Bands. Somit hat sich meine Zeit direkt vor der Bühne auch schon erledigt. Ein erster Ausflug zum Getränkestand macht wieder einmal deutlich, dass hier ein Festival von Fans für Fans gemacht wird. Die gute Frau nimmt sich Zeit, um mir das Cashless Bezahlsystem vorzuführen. Generell eine gute Sache, um den Ablauf (Achtung Wortspiel) flüssiger zu machen. Und wer schon einmal beim Bezahlen Münzen aus dem Portemonnaie verloren hat, weiß, dass man die auf einem Festival Boden nicht wiederfindet.
Noch eine Anmerkung zum Thema Cashless: Mitte der 2010er Jahre gab hierzulande eine organisierte Bande, die auf Festivals ihr Unwesen trieb, nachts in Zelte einbrach und den alkoholisierten Festival Besuchern die Bargeld-Vorräte abnahmen. Diese Drecksäcke wurden glücklicherweise während eines Bang Your Head Festivals in Balingen von der Security erwischt. Wenn ein Veranstalter also ein bargeldloses System einführt, dann auch, um genau solchen Situationen vorzubeugen.
Doch so geil die Idee mit dem Cashless auch ist: Es lebt davon, dass die Stände auch mitmachen. Dass dies außerhalb des Festival-Bereiches nicht unbedingt der Fall ist, muss einem vorher klar sein. Aber innerhalb? Hier hätte ich keine »Wir nehmen nur Bargeld« Schilder erwartet. Ganz zu Hause lassen kann man die eigene Geldbörse dann wohl doch nicht.
Während des Auftritts von Voxxclub schlendere ich lieber die Merchandise-Stände ab und unterhalte mich dort mit den Jungs von Brennstoff. Still Counting sind ebenfalls nicht nach meinem Geschmack. Im Partyzelt läuft Humpa Humpa Täterä und somit beschließe ich, den ersten Tag des Rock Dein Leben 2026 frühzeitig zu beenden und die Heimreise anzutreten.
Jetzt wird es ernst
Zweiter Tag des Rock Dein Leben 2026. Mittlerweile laufe ich etwas gemächlicher als gestern. Sechs Kilometer sind nicht nichts. Vor allem der alkoholisierte Rückweg kann sich schwierig gestalten. Also bewege ich mich etwas kräfteschonender fort und verpasse dadurch die erste Band.
Der Auftritt von Ernstfall ist zwar musikalisch jetzt nicht so meine Baustelle. Aber die Band geht mit einer Spielfreude an die Sache ran, die einfach Laune macht. Die Sängerin ist ein absoluter Blickfang. Mehr kann ich nicht sagen, da sie kaum zu hören ist. Höhepunkt des Auftritts war das Cover des Krawallbrüder Songs »Als wir noch jung waren«. Hier kam Pascal als Gastsänger auf die Bühne und übernahm das Mikro.
Alles in allem nicht mein Fall, aber irgendwie spaßig.
Mission in Black
Wie bei so vielen Bands, wenn die Teilnahme am Rock Dein Leben 2026 bekannt gegeben wird, ist die Suche auf Youtube der nächste Schritt. Im Falle von Mission in Black hält dies aber eine Überraschung parat: Die Stimme war bekannt! Sängerin Steffi war 2019 bei The Voice und hämmerte der Jury ihre Version von Lamb of Gods um die Ohren. Somit war klar, dass ich bei dieser Band relativ weit vorne im Publikum zu finden sein würde.
Pünktlich zum Intro kommen die ersten Regentropfen. Aber dabei bleibt es auch. Flashbacks von einem Dee Snider, der vor zehntausend Fans ein Gespräch mit einer Wolke führt, poppen vor dem geistigen Auge auf. Die Ulmer Band ist sichtlich erfreut, auf einem Festival in ihrer eigenen Umgebung spielen zu dürfen. Auch dass der Veranstalter sich immer mehr dem Metal öffnet, kommt sehr gelegen. Mission in Black legen ein überzeugendes Brett aus altem und neuem Material hin. Der Moshpit wirbelt den staubigen Boden auf. Ein bisschen Regen wäre tatsächlich gut gewesen. Zu schnell ist die Spielzeit auch schon wieder vorbei und Mission in Black verabschieden sich.
Experiment Metal auf Rock Dein Leben 2026 erfolgreich.
Rock Dein Leben 2026 Headliner
Die nun folgende Band eignet sich hervorragend, um nochmal über das Gelände zu laufen und die Biervorräte aufzufrischen. Bei der Gelegenheit lassen sich Mission in Black an ihrem Stand auf ein Pläuschchen ein und verewigen sich auf meiner Kutte. Funfact: Nach den Autogrammen bedankten die sich bei mir und nicht umgekehrt. Metal eben. Ich liebe sowas.
Dann war endlich Zeit für Kärbholz. Nun wird doch wieder klar, dass es sich um ein Deutschrock-Festival handelt. Und dass die Créme-de-la-Créme eben dieses Genres hier auftritt. Die Jungs rocken die Bühne und werden fleißig abgefeiert. Klassiker aus über zwanzig Jahren Bandgeschichte reihen sich nahtlos aneinander und lassen den Auftritt viel zu schnell rumgehen. Doch irgendwie wartet ja auch jeder auf die Band, die nun kommt.
Frei.Wild auf dem Rock Dein Leben 2026. Diese Nachricht hatte dafür gesorgt, dass ich mir das Ticket gekauft hatte. Nun war es endlich soweit. Einen besseren Einstieg als »Land der Vollidioten« hätten sich die Südtiroler kaum aussuchen können. Von da an geht es Schlag auf Schlag. Sehr sympathisch: Frei.Wild verzichten erstmal auf irgendwelches Blabla und hauen den Fans Songs um die Ohren!
Die Spielzeit von exakt einhundert Minuten ist eines Headliners würdig. Reicht natürlich nicht, um sämtliche Frei.Wild Klassiker unterzubringen. Die Band behilft sich in Form von Medleys, in denen dann mehrere ihrer Stücke angespielt werden. Geschmacksache. Einiges hätte ich mir ausgiebiger gewünscht, anderes hätte man kürzen können. Aber das ist bei so einem Back-Katalog an geilen Songs vorher klar. Es gab auch keine AC/DC oder Motörhead Konzerte, bei denen nicht der ein oder andere Wunsch offen blieb. Trotz langer Spielzeit.
Auf jeden Fall ein würdiger Headliner, den ich nun endlich in meine Liste der live erlebten Bands mit aufnehmen kann.
Lass dich überraschen
Der dritte Tag startet mit einer Überraschung. Meine Tochter hat in meiner Abwesenheit ein Rock Dein Leben 2026 Bild für mich gemalt. Ich überlege mir kurz, es tatsächlich mitzunehmen, entscheide mich aber dagegen. Zu Hause an der Wand macht sich das viel besser.
Den nächsten Paukenschlag gibt es während des Auftritts von Jeanluc. Hier kommt es zu einem Heiratsantrag live auf der Bühne. Okay, könnte natürlich Fake sein und zur Show gehören, glaube ich aber nicht.
Eine weitere Überraschung ist der Auftritt von Ampex, die ich unbedingt sehen wollte. Der Easy-Listening Radio-Rock lässt mich relativ schnell das Interesse verlieren und zum Bierstand überwechseln. Als Hintergrundmusik, um über ein Festival-Gelände zu latschen, aber gar nicht mal schlecht.
Mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen finde ich mich pünktlich zu Elli Berlin vor der Bühne ein. Bisher kenne ich nur ihren Beitrag zu »Töte, was du liebst« von den Krawallbrüdern. Das lässt hoffen, aber nach der vorherigen Band werde ich etwas vorsichtiger mit meinen Ansprüchen.
Denkste. Elli Berlin haut von der ersten Minute an ein Brett raus, das echt Laune macht. Ihre Musiker sorgen an Gitarre und Bass dafür, dass es so richtig knallt. So kann Elli sich ganz auf ihre Rockröhre konzentrieren und ihrer Position als Rampensau nachkommen.
Es mag auch daran liegen, dass heute bereits der letzte Tag ist und man nochmal alles geben will. Aber dieser Auftritt gehört für mich zu den besten des Festivals.
Über die nächste Band legen wir einen Mantel des Schweigens und kommen zu Artefuckt. Die Co-Headliner Position für den Samstag haben sie sich redlich verdient. Zehn Jahre Bandgeschichte, verpackt in etwas über eine Stunde Musik.
Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Und so trete ich meinen letzten Fußmarsch an. Während mich die Klänge von Philipp Burger noch eine Weile begleiten, lasse ich drei Tage Rock´n Roll in meinem Kopf Revue passieren.