Diese Woche durfte ich für meinen Stammkunden den insgesamt fünfhundertsten Schreibauftrag erledigen. Trotz der nun bereits sechsjährigen Zusammenarbeit hatte uns beide die Höhe dieser Zahl überrascht. Ehrlich gesagt, bin ich da ziemlich stolz darauf. Denn fünfhundert Schreibaufträge bedeuten, dass man seine Sache anscheinend richtig macht.
Neugier war der Anfang
Im Jahre 2020 suchte ich nach Möglichkeiten, meinen Schreibstil zu verbessern. Meine Geschichte “Chronik von Chiara” war damals gerade bei Lysandra Books im Lektorat. Abgesehen von den logischen Fehlern, die ich den Text reingehauen hatte, gab es auch viele holprige Stellen in meinen Beschreibungen. Da musste ich definitiv noch an mir arbeiten.
Also durchforstete ich das Internet nach Möglichkeiten, mich zu verbessern. Relativ schnell trifft man auf Angebote von Lektoren. Diese geben ein Thema und eine Textgröße vor. Den fertigen Text schickt man anschließend dorthin und bekommt ihn lektoriert und mit Anmerkungen zurück. So weit so gut, allerdings wollten diese Lektoren natürlich einen Stundensatz für ihre Arbeit. Da es bei mir zu diesem Zeitpunkt finanziell nicht allzu rosig aussah, fiel diese Option aus.
Später stieß ich auf eine Seite für Texter. Hier geben Auftraggeber Thema und Textlänge vor. Nur dass man nach abschicken des Textes Geld verdient, anstatt welches zu bezahlen. Vorausgesetzt natürlich, dem Auftraggeber sagt der erstellte Text zu und entspricht seinen Vorgaben. Die erste Hürde kam gleich zum Anfang: Um die Spreu vom Weizen zu trennen, durfte man sich auf dieser Seite nur nach einem erfolgreichen Einstiegstest registrieren. Sportsgeist gepackt, Antrag ausgefüllt, Test bestanden und als Texter registriert.
Der Erste von mittlerweile über fünfhundert Schreibaufträgen
Endlich freigeschaltet, suchte ich mir meine ersten Aufträge. Und machte auch gleich meinen ersten Fehler: Da ich mich vorsichtig an die Sache herantasten wollte, suchte ich nach Schreibaufträgen von ca. 100-300 Wörtern. Irgendwie war ich der Meinung, dass diese kleinen Texte einfacher sind. Was ungefähr zeigt, wie viel ich damals wusste.
Auf den ersten Fehler folgt logischerweise der Zweite: Als Schriftsteller schreibt man eine Geschichte für sich selbst. Wenn sie anderen Leuten gefällt, ist das toll. Als Texter schreibt man von Anfang an für jemand anderen. Ein Umstand, den ich anfangs noch nicht so ganz kapiert hatte und was mir die ein oder andere neutrale Bewertung eingehandelt hatte.
Zukünftige Stammkunden werden gefunden
Unter den ersten Auftraggebern war auch mein heutiger Stammkunde, für den ich mittlerweile über fünfhundert Schreibaufträge erledigt habe, auch wenn ich mir das damals nie zugetraut hätte. Hier lag die Textlänge meist bei 500-800 Wörtern. Und siehe da: Je mehr man beim Schreiben ausholen kann, umso einfacher ist es. Geht zumindest mir so. Auf jeden Fall lagen mir diese Texte um einiges besser und ich ließ den Kleinkram mehr und mehr sein. Außerdem gab es für einen Text mit achthundert Wörtern natürlich mehr Geld als für einen mit dreihundert.
Was mir damals auch sehr wichtig war, war das Feedback der Kunden. Diese konnten die Texte jeweils mit einem Daumen hoch, Daumen runter oder einem Daumen in der Mitte bewerten. Viele gaben mir einen Daumen hoch, manche sogar mit Sternchen. Manchmal schrieben sie noch ein oder zwei Sätze dazu. Besonders das freundliche Feedback meines späteren Stammkunden ermutigte mich, weiterzumachen.
Konkurrenz namens ChatGPT
Die Jahre vergingen und es wurden immer mehr Aufträge. Das ging so weit, dass die Schreiberei an den eigenen Geschichten ziemlich zurückstecken musste. Aber was tut man nicht alles, um eines Tages auf fünfhundert Schreibaufträge zurückblicken zu können?
Doch dann kam ChatGPT. Jeder mit einem Google-Konto war nun in der Lage, in Sekundenschnelle selbst Texte zu erschaffen. Fehlerfrei und grammatikalisch korrekt. Viele meiner bisherigen Auftraggeber verschwanden im Nirwana und waren nie mehr gesehen. Und ich konnte es ihnen nicht einmal verdenken. Warum für etwas bezahlen, dass es auch umsonst gibt? Würde ich ja nicht anders machen.
Um mich selbst von den Qualitäten zu überzeugen, probierte ich die KI-generierten Texte selbst aus. Okay, das mag jetzt sehr subjektiv sein: Die Texte waren zwar allesamt korrekt geschrieben. Und die Kommasetzung ist bestimmt besser als meine eigene. Trotzdem fand ich das alles irgendwie seelenlos. Getestet hatte ich 2023, kann also gut sein, dass die Texte mittlerweile wesentlich besser sind.
Auf jeden Fall war klar, dass ich in meinen Texten mehr auf Wortwitz und unvorhergesehene Zusammenhänge setzen muss. Anders konnte ich mich von den KI-Texten nicht abheben. Seitdem schreibe ich am liebsten Satire-Artikel. Aber auch meine anderen Texte werden mit Wortspielen gespickt. Den ein oder anderen politischen Seitenhieb kann ich mir ebenfalls nicht verkneifen. Zitate aus bekannten Filmen und Songs müssen natürlich ebenfalls sein. Vor allem, wenn sie nichts mit dem eigentlichen Artikel zu tun haben und trotzdem in den Aufbau des Textes reinpassen.
So macht mir die Sache Spaß. Und meinen Lesern offensichtlich ebenfalls. Auch wenn sie gar nicht wissen, dass die Texte von mir sind.
Fünfhundert Schreibaufträge erledigt. Auf die nächsten Fünfhundert!
Es sind genau diese textlichen Querverweise, die mir zwei Stammkunden erhalten haben. Der Rest ist durch KI-generierte Texte weggefallen. Das macht die Anzahl der Aufträge zwar überschaubar, die jeweilige Zusammenarbeit aber gleichzeitig familiärer.
Im März wurde ich sogar von dem Stammkunden, für die ich mittlerweile fünfhundert Schreibaufträge erledigt habe, zu einem Treffen eingeladen. Endlich durfte man sich persönlich kennenlernen und Hände schütteln. Bei der Gelegenheit wurde natürlich die ein oder andere Anekdote vergangener Texte rausgehauen.
Das ist Zusammenarbeit, wie sie sein soll. Hoffentlich geht das auch noch lange so weiter.